Was der Alkoholexperte rät...

Jens
Spiegel Online Interview mit dem Bochumer Wissenschaftler Peter Kruck, Autor des Buches "Alcohol. Alles was Sie darüber wissen sollten":

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SPIEGEL ONLINE: zuerst das Bier oder den Wein?

Kruck: Weder das eine noch das andere. Die Regel "Wein auf Bier, das rat ich dir" ist ja völliger Blödsinn. Es ist vielmehr so: Um betrunken zu werden, reicht Alkohol, egal in welcher Form ich ihn zu mir nehme. Um Kopfschmerzen zu bekommen, gilt: Je trüber ein Getränk ist und je mehr Beimengungen es hat, desto verheerender ist seine Wirkung.

SPIEGEL ONLINE: Wieso das?

Kruck: Weil dann mehr von den bösen Fuselölen und Fremdstoffen drin sind, zum Beispiel in Rotwein, der schon relativ starke Kopfschmerzen verursacht. Wer betrunken sein will mit wenig Kopfschmerzen danach, dem empfehle ich klare Schnäpse. Wodka oder Korn sind ja nahezu reiner Alkohol, mit Wasser gestreckt. Und da sind dann die verheerenden Wirkungen etwas harmloser.

SPIEGEL ONLINE: Wird schneller betrunken, wer durch einen Strohhalm trinkt?

Kruck: Das ist auch so eine uralte Legende, über die schon die Canterbury Tales im Mittelalter berichten. Das ist insofern Quatsch, als nur ein bis zwei Prozent des Alkohols über die Mundschleimhaut aufgenommen werden, die restlichen 98 Prozent aber im restlichen Körper. Es mag sein, dass das Getränk durch den Strohhalm im Mund stärker aufgewirbelt, so dass es größeren Kontakt zur Mundschleimhaut hat - die Wirkung ist aber verschwindend gering.

SPIEGEL ONLINE: Welches Getränk macht besonders dick?

Kruck: Also wenn Sie Eierlikör nehmen, der in Sahne schwimmt, dann ist es klar, dass da viel mehr Kalorien drin sind als in klaren Schnäpsen. Auch Bier und Sekt haben relativ viel Kalorien. Für Wein gilt: Je trockener, also je weniger Zucker drin ist, desto weniger Kalorien. Der Alkohol selbst hat natürlich selbst schon erhebliches Kalorienpotenzial. Durch das Trinken bekommt man zusätzlichen Appetit auf Salziges und Fettiges, und das addiert sich dann auf beim Trinken.

SPIEGEL ONLINE: Wer viel vorhat, sollte sich die nötige Grundlage durch üppiges Essen schon vor dem Trinken schaffen, oder nicht?

Kruck: Fett ist ganz schön, aber besser sind aufsaugende Stoffe wie Brot. Denn je länger der Alkohol im Magen verbleibt, desto mehr wird dort durch die Magensäure abgebaut. Ansonsten kann eine gute Grundlage auch eine verheerende Wirkung haben: Der Zeitpunkt, an dem der Alkohol in den Darm gelangt, wird dadurch verzögert. Der Rausch kommt dann, wenn die Party längst vorbei ist.

SPIEGEL ONLINE: Welche Hausmittel helfen am grausamen Morgen danach? Das Konterbier?

Kruck: Der Kater ist eine gerechte Strafe der Natur dafür, dass wir uns daneben benommen haben. Das Reparaturbier ist deshalb eine relativ fatale Sache. Wenn ich am nächsten Tag mit Alkohol weitermache, führe ich den Dehydrierungsprozess weiter, und das ist gar nicht gut.

SPIEGEL ONLINE: Aber zunächst hilft es?

Kruck: Der Verkaterte hat zwar das Gefühl, dass es besser geht, weil der verbrauchte, grindige Rausch durch einen neuen, peppigen ersetzt wird. Die Leber braucht aber Zeit, um den Alkohol abzubauen, und das kann sie nicht, wenn ich am nächsten Tag noch etwas draufgieße. Drei bis vier Tage Ruhe sollte man der Leber schon gönnen, das ist das Minimum.

SPIEGEL ONLINE: Was ist besser gegen den Kater?

Kruck: Viel Wasser trinken, denn die Kopfschmerzen kommen ja nicht zum geringen Teil vom Flüssigkeitsverlust. Darüber hinaus hat man am Tag nach einem Besäufnis Appetit auf etwas Salziges oder Saures...

SPIEGEL ONLINE: ...das Katerfrühstück

Kruck: ...und dem sollte man nachgeben. Denn: Der Körper verliert durch starkes Alkoholtrinken viele Elektrolyte. Der Appetit auf etwas Salziges, stark Gewürztes hilft, diesen Verlust auszugleichen. Nächste Regel: raus an die frische Luft, bewegen, denn der Körper braucht viel Sauerstoff, um den Alkohol abzubauen.

SPIEGEL ONLINE: Warum vertragen manche Leute viel, andere kaum etwas?


Kruck: Man muss vertragen und vertragen unterscheiden. Es gibt Menschen, die durch ihren Alkoholkonsum ihren Körper an die Wirkung gewöhnt haben. Man kann der Leber aber nicht beibringen, Alkohol schneller abzubauen. Wenn ein Gewohnheitstrinker und ein Anti-Alkoholiker, beide gleich gebaut, mit der gleichen Menge an alkoholischen Getränken intus in eine Verkehrskontrolle geraten, dann haben sie gleich viel Promille im Blut.

SPIEGEL ONLINE: An welche Faustregel können sich Autofahrer halten?

Kruck: Grundsätzlich Finger weg. Eine Flasche Bier mag vielleicht noch in Ordnung sein, aber bei der zweiten wird es schon kritisch. Wir haben schließlich die 0,5-Promille-Grenze, und die ist schnell erreicht. Am besten: 0,0 Promille.

SPIEGEL ONLINE: Thema Wein: Wie verhindere ich, dass ich mich mit der für eine Einladung schnell gekauften Flasche bei meinem Gastgeber blamiere?

Kruck: Für den Anfang können sich Laien an die Regel halten: Wenn ich irgendwo in einen Weinladen gehe und acht bis zehn Euro auf den Tisch lege, dann habe ich in der Regel ein ganz gutes Produkt und kein Fusel- oder Schädelvernichtungsgetränk. Es gibt auch für zwei Euro beim Discounter ordentliche Weine, weil die Weinbautechnik in den letzten Jahren viele Fortschritte gemacht hat. Wer aber etwas mehr ausgibt und noch ein paar Regionen kennt, aus denen normalerweise gute Weine kommen, kann nicht allzu viel falsch machen.

SPIEGEL ONLINE: Und wie geht die Geschichte mit den Chinesen und dem fehlenden Enzym?

Kruck: Asiaten waren im Gegensatz zu den Europäern schon relativ früh so clever, dass sie Wasser durch Abkochen sterilisieren konnten. Wir haben dazu 2000 Jahre länger gebraucht. Deshalb war es in Europa gang und gäbe, verdrecktes Wasser - sauberes gab es ja kaum - durch die Beimengung von Alkohol haltbar zu machen oder daraus Bier oder Wein herzustellen. Deshalb hat sich bei uns evolutionär eine gewisse Verträglichkeit gegenüber diesem Alkohol herausgebildet. Bei den Asiaten war das nicht nötig, und deshalb fehlt ungefähr der Hälfte von ihnen ein bestimmtes Enzym, das Alkohol umwandelt. Wenn das fehlt, dann klappen die schneller ab, weil der Alkohol schlecht abgebaut wird und sie schon beim Trinken einen mördermäßigen Kater bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie werden also bestraft für ihre überlegene Kulturtechnik?

Kruck: Das kann man als Strafe sehen. Die Natur erschwert ihnen auf jeden Fall den Zugang zu geistigen Getränken.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderb...,430838,00.html
Gast
Witzige Sache.
Borntokill
SPIEGEL ONLINE: Was ist besser gegen den Kater?

Morgens einen Bloody Mary und es geht aufwärts großes Grinsen
Jens
Das britische Innenministerium hat rechtzeitig zu Silvester einen "Trinkratgeber" veröffentlicht.
Kann mir aber nicht vorstellen, dass da auch nur ein Brite nach handeln wird... kopfkratz

1. Erst essen, dann trinken:
Nahrungszufuhr verlangsamt die Aufnahme des Alkohols in den Blutkreislauf.

2. Besser Light statt Lager:
Schon ein Prozentpunkt Unterschied beim Alkoholgehalt von Biersorten kann den gesamten Blutaklohol merklich verringern. Statt Sorten wie Lager sollten sogenannte "Light"-Biere konsumiert werden, raten die Gesundheitsexperten des Ministeriums.

3. Setzen Sie ein Limit - im Voraus!
Schon bevor die Party beginnt, sollte jeder seinem Alkoholkonsum eine Grenze setzen, raten die Experten - und sich strikt daran halten.

4. Wechsel-Trinken
Um den Körper nicht auszutrocknen, sollte man zwischen alkoholischen Getränken immer wieder auf Nicht-Akloholisches wie Wasser und Softdrinks ausweichen, heißt es im 10-Punkte-Plan.

5. Kein Runden schmeißen
Beim Feiern in Bars sollte man sich nicht an Lokalrunden beteiligen, also weder teilnehmen noch ausgeben. Dies führe nämlich in der Regel dazu, dass das persönliche Limit bei weitem überstiegen werde.

6. Nicht unter Druck setzen lassen
Trinken Sie nicht, wenn Sie nicht wollen oder andere Sie unter Druck setzen.

7. Merken Sie sich, was Sie schon intus haben
Wer nicht mehr weiß, was er bereits konsumiert hat, wird sich schwerlich an ein Limit halten können.

8. Mischen Sie Ihre Drinks auf
Wer seine Drinks mit nicht-alkoholischen Getränken vermischt, hat länger was davon und verwässert - buchstäblich - den Effekt.

9. Kleinere Gläser = weniger Alkohol
Als typisch britisch mag dieser Rat erscheinen: In manchen Bars, so das Innenministerium, könne der Inhalt eines großen Glases Wein einer drittel Flasche entsprechen. Deshalb solle man von vornherein kleinere Gläser wählen.

10. Planen Sie die Heimfahrt im Voraus
Bevor man feiert, sollte man die Heimfahrt arrangiert haben. Auf jeden Fall gilt: Nie ohne Begleitschutz nach Hause gehen.

lol

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,525974,00.html